Noch mehr Schrift
Warum fast alle Schriften zur Antiquafamilie gehören und warum manche Leute zur serifenlosen Linear-Antiqua Groteske sagen, konnte man in den letzten zwei Buchblöcken lesen. Trotzdem gibt es noch viel Interessantes über Schriften zu berichten. Was sind zum Beispiel Monospace-Schriften, und wozu braucht man so etwas? Und warum streiten sich manche Leute über die Helvetica?
Auch wenn es sicherlich oft Streit gibt wegen der Helvetica - der Streit ist viel harmloser als der Antiqua-Fraktur-Streit. Die Helvetica ist eine der berühmtesten Schriften der Welt und gehört – je nach Klassifikation –zu den serifenlosen Linear-Antiqua oder zu den Groteskschriften. Damit eignet sie sich nicht besonders gut, um daraus einen Roman zu setzen. Für alles andere ist die Schrift
Diese Ehre wird nicht vielen Schriften zuteil: ein ganzes Buch über die Helvetica
Wenn jemand etwas beschriften will, wählt er oft die Helvetica …
… und das nicht nur im deutschsprachigen Raum
jedoch so beliebt, dass man tatsächlich blind sein muss, um sie nicht zu sehen. Es gibt ganze Bücher nur über diese Schrift, und zum 50-jährigen Geburtstag der Helvetica ist sogar ein Film darüber entstanden. Die Schrift wurde 1957 von dem Schweizer Max Miedinger entwickelt. Zunächst hieß sie "Neue Haas Grotesk". 1960 wurde sie in Helvetica umbenannt, um ihre Chancen auf dem internationalen Markt zu verbessern.
Ob die Helvetica als "Neue Haas Grotesk" genauso erfolgreich geworden wäre ist fraglich. Der Erfolg der Helvetica ist auch genau der Grund dafür, dass manche Leute die Schrift nicht leiden können. Ihnen wird langweilig, wenn sie die Helvetica sehen, so viel wird die Schrift verwendet – und zwar nicht nur im Original, sondern auch in vielfältigen Abwandlungen. Eine besonders oft gesehene ist die Arial – die meisten können sie
kaum von der Helvetica unterscheiden.
Wenn dick und deutlich irgendwo draufsteht, was drin ist, hat man es oft mit der Helvetica zu tun. Viele Firmen haben nutzen die Schrift für ihren Firmennamen. Für Beschriftungen in öffentlichen Gebäuden wird häufig Helvetica verwendet. Manche Grafiker können daher die schöne, schlichte und gut lesbare Schweizer Schrift nicht mehr sehen und bezeichnen die, die sie verwenden, als einfallslos.
International erfolgreich: auch in Asien ist die Helvetica äußerst beliebt
Manchmal mögen sie damit Recht haben, aber eins vergessen die Helvetica-Mäkler dabei: besser einfallslos als geschmacklos. Und geschmacklos wirkt die zeitlose Schrift nie. Ich mag die Helvetica sehr gerne; sie ist fast so etwas wie der Inbegriff von Buchstaben für mich, vor allem, was die Versalien (die Großbuchstaben) betrifft. Einer der Gründe dafür ist die Abwesenheit von Serifen.
Viele Firmen verwenden die Helvetica für ihren Firmenschriftzug
So nützlich die Serifen auch sein mögen, weil sie die Lesbarkeit erhöhen – hübsch finde ich sie nur bei Monospace-Schriften. Monospace-Schriften heißen auch "nichtproportionale Schriften" bzw. Festbreitenschriften. Bei ihnen ist für jedes Zeichen die gleiche Breite vorgesehen – egal, ob es ein schmales i oder ein breites w ist, jeder Buchstabe bekommt genauso viel Platz.
Kugelkopf einer Schreibmaschine mit Monospace-Schrift
Alte Schreibmaschinen verwendeten ausschließlich Monospace-Schriften, weil nach dem Tippen des Buchstaben der Wagen (oder der Kugelkopf) der Schreibmaschine immer um den gleichen Abstand weiterbewegt wurde. Auch die ersten Computer haben ausschließlich Monospace-Schriften verwendet. So kommt es wohl, dass die Festbreitenschriften immer einen Hauch von Schreibmaschine haben – oder einen Hauch "alter Computer". Einen Hauch Computer aus der Zeit, bevor wir alle einen hatten.
Computerausdruck mit Schreibmaschinenflair dank "Courier New"